Haus Weitmar, Bochum-Weitmar

Das Haus Weitmar ist ein ehemaliger Adelssitz im Bochumer Stadtteil Weitmar. Er ging aus einem Schultenhof des Klosters Werden hervor, dessen Wurzeln im 8./9. Jahrhundert zu suchen sind. Im 12. Jahrhundert mit einem Wassergraben umgeben, wurde er in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einem repräsentativen Sitz ausgebaut. Erweiterungen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter der Familie von Brüggeney, genannt Hasenkamp, und ein Ausbau im 18. Jahrhundert mündeten in einem klassizistisch aussehenden Herrenhaus mit Vorburg. Nordwestlich davon stand eine dem heiligen Silvester geweihte Kapelle, die jedoch während der Reformation ihre Funktion als Hauskapelle einbüßte. Nach Aussterben der Familie von Hasenkamp war Haus Weitmar kurzzeitig Eigentum der Familie von Vaerst, ehe es 1780 von Andreas Friedrich Wilhelm von Berswordt-Wallrabe gekauft wurde. Seine Familie ist auch heute noch Eigentümerin.

Haus Weitmar wurde – ebenso wie die Sylvesterkapelle – im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstört. Die Ruinen des Herrenhauses mit seiner Freitreppe, die Reste der Kapelle inklusive dreier Grabplatten sowie ein Torhaus und eine Toranlage vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind seit dem 26. April 1995 als Baudenkmal geschützt. Durch einen neuen Pachtvertrag, den die Stadt Bochum mit der Eigentümerfamilie des Weitmarer Parks geschlossen hat, liegen Pflege und Erhaltung des Parks sowie der denkmalgeschützten Ruinen bis 2026 weiterhin in städtischer Hand.

 

In unmittelbarer Nähe steht die Ruine der Sylvester-Kapelle.

Herrenhaus und Vorburg standen früher auf zwei separaten Inseln, die inmitten eines durch die Linnebecke gespeisten Hausteichs (Gräfte) lagen. Eine lange Brücke führte auf die Vorburginsel mit Stall- und Speichergebäuden. Dort stand ab 1748 auch eine Kapelle, die später profaniert und als Stallung genutzt wurde. Über ihrem Eingang befanden sich die Wappen der Familien von Hasenkamp und von Eerde. Eine heute noch erhaltene einbogige Brücke aus Bruchsteinmauerwerk führte von der Vorburginsel über die Gräfte zum schlichten, zweigeschossigen Herrenhaus. Das Gebäude entstand in drei Bauphasen. Vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde ein 27 × 12 Meter messendes Zweiraumhaus errichtet, dessen Fundamente zwei Meter dick waren. Seine oberirdischen, zweischaligen Mauern aus Ruhrsandstein waren bis zu 1,40 Meter dick und umfassten mindestens zwei bis drei Geschosse. Dieser Bau wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an der Südostecke durch einen 9 × 10 Meter großen Anbau erweitert. Ende des 18. Jahrhunderts ließ die Familie von Berswordt-Wallrabe dieses L-förmige Gebäude zu einem fast querrechteckigen Haus mit mehrgeschossigem Mansarddach ausbauen. In dieser dritten Bauphase erhielt es auch einen tonnenüberwölbten Keller mit stichbogigen Fenstern. Seine leicht geknickte Fassade an der Ostseite resultierte wahrscheinlich aus dem nicht standsicheren Baugrund im Bereich der ehemaligen Gräfte, die zu jener Zeit trockengelegt wurde.

Von dem einstigen Herrenhaus sind heute nur noch die zweigeschossigen Außenmauern der Süd- und der Ostseite erhalten. Ihre rechteckigen Tür- und Fensteröffnungen besitzen Sandsteinfassungen. Am Mauerwerk sind noch Spuren von älteren Elementen wie zum Beispiel Aborterker und Kreuzstockfenster zu sehen. Eine doppelläufige, geschwungene Freitreppe führt zum Haupteingang.

 
 

Schlosspark

Haus Weitmar ist von einem rund 8 Hektar großen Park umgeben, der Schlosspark genannt wird und zuletzt 2010 instand gesetzt wurde. Der Landschaftspark besteht aus größeren Rasenflächen mit Solitärgehölzen, einem Teich und einem Eichen-Buchen-Wald, der die Rasenflächen umgibt. Sein dominierendes Gestaltungselement ist die lange Zufahrtachse, die von Osten kommend auf das Herrenhaus zuführt. An ihrem Startpunkt an der Hattinger Straße steht ein Pförtnerhaus mit Mansarddach und Ecktürmchen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Direkt daneben befindet sich eine Toranlage, deren großes zweiflügeliges Haupttor zwei achteckige Torpfeiler aus Sandstein mit bekrönenden Laternen besitzt. Die Pfeiler zeigen Wappen mit Eber und Lilie als Zeichen für die Familien Berswordt und Wallrabe. Das Gittertor ist aus Schmiedeeisen gefertigt und besteht aus Elementen in Form von Bögen, Blattwerk und züngelnden Spitzen. Rechts und links des Haupttores gibt es zwei kleinere Nebentore, deren viereckige Pfeiler von kugelförmigen Gebilden abgeschlossen sind.

Im Park des Hauses Weitmar stehen zahlreiche zum Teil Jahrhunderte alte Bäume. Ziersträucher füllen Lücken, die durch Absterben und Überalterung des Bewuchses entstanden. Zu den wertvollsten Pflanzen im Park gehören Edelkastanien mit einem Stammumfang bis zu vier Metern, Rotbuchen mit einem Umfang bis zu drei Metern und in Deutschland seltene Eiben sowie Eichen mit ähnlich großen Stammumfängen. Kurios ist eine drehwüchsige Rotbuche. Bis zum Jahr 2000 stand dort auch der älteste Baum Bochums, eine 1740 gepflanzte Süntelbuche, bis sie durch Brandstiftung auseinanderbrach. Der Baum ging in den folgenden Jahren ein.

Lee Ufan: Relatum with four stones and four irons, 1978.

Lee Ufan, geboren 1936 in Haman-gun, Südkorea (damals Japanisches Reich), Multimediakünstler, gilt als Führungsfigur der Mono-ha-Bewegung (Schule der Dinge) und als Schlüsselfigur der koreanischen monochromen Malerei. Er unterbrach sein Kunststudium an der Staatlichen Universität Seoul, um an der Nihon-Universität in Tokio Philosophie zu studieren. 1961 machte er seinen Abschluss.  Am repräsentativsten für sein Werk sind abstrakte minimalistische Gemäldereihen, deren Bilder durch das wiederholte Anbringen einzelner Pinselstriche auf der Leinwand entstanden. Für seine Skulpturenserie Relatum kombinierte er große Steine mit Industriematerialien wie Glas und Eisen oder Stahlplatten. Auch publizierte er bemerkenswert viele kritische und philosophische Schriften, so z.B. The Search for Encounter (1971) und The Art of Encounter (2004). 1967 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Sato Gallery in Tokio. 1971 repräsentierte er Südkorea auf der Biennale in Paris; es war das erste Mal, das Werke Ufans in Europa zu sehen waren.

 

 
 

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